21.11.2008Auszeichnung für den Dokumentarfilm «Müetis Kapital»
Die Jury zeichnet den Dokumentarfilm «Müetis Kapital» aus, für die beeindruckende Leistung mit der ein Stück Schweizer Geschichte fassbar gemacht wurde. Mit dem Porträt von Ruth Seiler-Schwab, dem «Müeti», setzten Karoline Arn und Martina Rieder fast 100 Jahre Schweizer Geschichte medienwirksam um.
Ein Stück Schweizer Geschichte – bewegend und einfach erzählt
Die Wirtschaftskrise, das Aufkommen des Kommunismus, die Angst vor dem Krieg, die Fichenaffäre – im Dokumentarfilm «Müetis Kapital» erzählt Ruth Seiler-Schwab ein Stück Schweizergeschichte, wie es noch kaum je erzählt wurde. Die beiden Preisträgerinnen zeigen mit der Methode der «Oral History» nicht nur was war, sondern auch wie es erlebt wurde. Ein bewegender Moment, wenn eine fast 90-jährige Frau nach Ablauf der 50-jährigen Sperrfrist im Bundesarchiv ihre eigenen Fichen einsieht und plötzlich versteht, wie alles zusammenhängt. Wenn sie von der Angst vor dem Faschismus erzählt und aus ihren Briefen von 1938 vorliest, wird die Kriegsgefahr fassbar. Auch die Reformpädagogik, die Suche nach neuen pädagogischen Wegen, wird verständlich. Überzeugt von anthroposophischen und alternativen Erziehungsmethoden gründete Ruth Seiler-Schwab in Ins das «Schlössli». Das Schulheim für Jugendliche aus sogenannt schwierigen Verhältnissen dient heute noch als Vorbild im In- und Ausland.
Ausgestrahlt wurde der Dokumentarfilm am 2. Juli 2008 im ch.filmszene, SF1.

Angaben zur Person
Martina Rieder wurde 1972 in Bern geboren. 1988/89 absolvierte sie einen Vorkurs an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich. Anschliessend machte sie eine Grafikerlehre in Chur und absolvierte die Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern mit dem Fachbereich Video. Von 2003–2007 war sie Assistentin für bildnerisches Gestalten im Departement Architektur an der ETH Zürich. Seit 2000 ist sie freiberufliche Filmemacherin (Regie, Kamera, Montage und Artwork). Sie lebt und arbeitet in Zürich.
Karoline Arn wurde 1969 in Münchenbuchsee geboren. Sie studierte Schweizergeschichte, Neueste Geschichte und Philosophie an der Universität Bern. Anschliessend absolvierte sie das Nachdiplomstudium Journalismus am Medienausbildungszentrumm MAZ Luzern. Seit 2002 ist sie Redaktorin von Schweizer Radio DRS 1 in Zürich, seit 2006 im Regionaljournal Bern Freiburg Wallis in Bern.
Die Goldene Brille
Geschaffen wurde die «Goldene Brille» im Jahr 2000 mit dem Ziel, publizistische Beiträge auszuzeichnen, die wissenschaftliche Forschungen der Geistes- und Sozialwissenschaften einem Laienpublikum zugänglich machen. Der Preis würdigt die Arbeit von Medienschaffenden und von Forschenden, die ihre Arbeit zu einem geistes- oder sozialwissenschaftlichen Thema einer nicht-wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich machen. Der Preis wird zum letzten Mal in dieser Form verliehen. Das nächste Jahr erfolgt die Ausschreibung im Rahmen des Medienpreises der Akademien der Wissenschaften Schweiz.
Goldene BrilleDie siebenköpfige Jury besteht aus Journalistinnen und Journalisten sowie aus Wissenschaftlerinnen und Wissenchaftlern der deutschen und französischen Schweiz. Präsident ist Dr. Erwin Koller.
Die Übergabe des Preises erfolgt am 21. November um 13.40 Uhr in der Gewerblich-industriellen Berufsschule Bern gibb, anlässlich der Herbsttagung der SAGW zum Thema «Familienergänzende Betreuung, Erziehung und Bildung von Kindern – ein Generationenprojekt in privater und staatlicher Verantwortung».
Herbsttagung