Bern, 8. Mai 2008. Die Akademien der Wissenschaften Schweiz beschäftigen sich intensiv mit dem Thema eHealth. TA-SWISS hat eine allgemein verständliche Informationsbroschüre herausgegeben und diskutiert das elektronische Patientendossier im so genannten publifocus. Die SATW hat kürzlich einen Workshop zum Thema eHealth durchgeführt und dessen Ergebnisse publiziert. Zudem haben die Akademien der Wissenschaften Schweiz eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe ins Leben gerufen.
Mit den Aktivitäten zum Thema eHealth nehmen die Akademien der Wissenschaften Schweiz Ihren Auftrag, Wissen zu vernetzen und den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern, wahr. So auch das Zentrum für Technologiefolgeabschätzung TA-SWISS, das als Kompetenzzentrum seit Januar 2008 ebenfalls zum Verbund der vier Schweizer Akademien gehört.
Kurze, verständliche Informationen für alle
Information und Dialog sind wichtig. Daran beteiligt sind Wissenschaftler, Interessensvertreter und die Bevölkerung. Jetzt hat TA-SWISS eine erste leicht verständliche Informationsbroschüre mit dem Titel «Unsere Gesundheitsdaten im Netz» in Deutsch, Französisch und Italienisch herausgegeben. Sie erläutert kurz die Nationale Strategie eHealth des Bundes, geht auf das veränderte Umfeld im digitalen Zeitalter und auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Akteure, auf Chancen und Potenziale in der Qualitätsverbesserung und Patientensicherheit ein. In der Broschüre werden zudem Gefahren wie Missbrauch von Daten angesprochen oder das veränderte Arzt-Patientenverhältnis, das sowohl für Ärzte als auch für Patienten eine neue Herausforderung bedeuten kann. Die kostenlos erhältliche Broschüre liefert Informationen zu einem Thema, von dem längerfristig jede Schweizerin und jeder Schweizer betroffen sein wird. Sie ist auch eine Diskussionsgrundlage für das TA-SWISS-Projekt «eHealth publifocus und das elektronische Patientendossier», dessen Resultate im August 2008 publiziert werden. Die Ergebnisse dieses publifocus – vier Gesprächsrunden mit Vertreterinnen und Vertretern der Bevölkerung sowie Interessentengruppierungen – sind wichtig, könnten sich darin doch mögliche «Stolpersteine» zeigen, auf die frühzeitig reagiert werden müsste. Bereits früher hat sich TA-SWISS mit elektronischen Gesundheitsdiensten beschäftigt: Mit einer Studie zum elektronischen Patientendossier (2000) und mit einer zu Telemedizin (2004).
Empfehlungen für betroffene Instanzen
Die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) hat im Dezember 2007 ihren zweiten Workshop zum integrierten Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien bei der Gestaltung, Unterstützung sowie Vernetzung aller Prozesse und Teilnehmer des Gesundheitswesens durchgeführt. 25 Experten haben mitgearbeitet und ihre Empfehlungen für die verschiedenen Instanzen formuliert. Im Zentrum des Gesundheitswesens – und damit auch von eHealth – steht das Individuum. Es muss über seine medizinischen Daten verfügen und deren Verwendung kontrollieren können. Zusätzlich zu medizinischen, technischen und ökonomischen sind auch soziale und politische Aspekte zu berücksichtigen. Die SATW rät deshalb allen Akteuren – Gesetzgeber, Krankenversicherungen, Ärzten, Pflegefachverbänden und eHealth-Branche – den Austausch und die Diskussion zu pflegen, um so die unterschiedlichen Vorstellungen und Bedürfnisse einbeziehen zu können. In der technischen Umsetzung seien beispielsweise Fragen der Dateneignerschaft und Vertraulichkeit wichtig. Die Politik wird aufgerufen, das Problem der geteilten Kompetenzen zwischen der Eidgenossenschaft und den Kantonen auf dem Gebiet der Gesundheit zu lösen. Ärzte, Pflegefachverbände, aber auch Krankenkassen sollen mithelfen, das Qualitäts- und Kostenmanagement mit eHealth zu verbessern. Ausserdem sollen die Patientenvereinigungen an der Umsetzung von Anwendungssystemen mitwirken, indem sie insbesondere die Benutzerfreundlichkeit überprüfen.
Interdisziplinäre Arbeitsgruppe
Die Akademien der Wissenschaften Schweiz verfügen über ein grosses Netzwerk, das die Herausforderungen von eHealth aus unterschiedlichen Blickwinkeln – aus medizinischen, technischen, ethischen oder gesellschaftlichen – ganzheitlich zu betrachten vermag. Aus diesem Grund haben die Akademien eine «Arbeitsgruppe eHealth» ins Leben gerufen mit dem Ziel, diese interdisziplinäre Sichtweise speziell in der Diskussion zu eHealth einzu¬bringen und an verschiedenen Anlässen von betroffenen Organisationen und bei öffentli¬chen Veranstaltungen mitzuwirken. Zudem soll die Umsetzung der vom Bundesrat verab¬schiedeten eHealth-Strategie begleitet und unterstützt werden.

