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mercredi 25. janvier 2017

Raus aus der Krise: Forschende diskutieren Wissenschaftskultur

(sda) Unguter Publikationsdruck, Qualitätsmängel in der Forschungspraxis, fehlender Austausch: Über diese und weitere Probleme in der derzeitigen Wissenschaftskultur diskutierten Forschende diese Woche in Bern. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sie ihr Berufsfeld in positivere Bahnen lenken können.

Mit einem Kongress in Bern brachten die Akademien der Wissenschaften Schweiz und der Schweizerische Wissenschafts- und Innovationsrat am Donnerstag und Freitag Forschende zusammen, um in Workshops über Probleme im Wissenschaftssystem zu diskutieren. Alles unter dem Motto "We scientists shape science" - Wer sollte die Wissenschaftskultur verändern, wenn nicht die Forschenden selbst? Problemfelder gibt es einige: Studienergebnisse, die sich nicht reproduzieren lassen oder die schlimmstenfalls gar gefälscht sind, kratzen am Image der Forschung. Den Grund haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst längst erkannt: Falsche Anreize. Denn die Karrierechancen in der Forschung beruhen nicht in erster Linie auf soliden Erkenntnissen aus sauber durchgeführten Studien, sondern auf möglichst vielen Publikationen in hoch angesehenen Fachjournalen.

Veränderung von innen

Für eine bessere Wissenschaftskultur, die gute Forschungspraxis und kreativen Austausch fördert, braucht es die Veränderung von innen, sind die Kongressveranstalter überzeugt. "Wissenschaft verändert sich ständig", sagte Marcel Tanner, Präsident der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) in einer Videobotschaft zur Tagung.
Was sich ändern müsse, sei die Einstellung der Forschenden, so Tanner: Entgegen dem allgemeinen Trend in der Gesellschaft zu Individualismus und Fragmentierung plädiert er für eine Rückkehr zum Fragenstellen und zur Freude daran, zu entdecken, neugierig zu sein, zu teilen und mit Erkenntnissen zum Wohl der Gesellschaft beizutragen.

Mutig vorangehen

Die Schweiz könne zwar nicht alleine die gesamte internationale Wissenschaftskultur umkrempeln, aber sie könne mutig vorangehen, schrieb Marcel Falk, Mediensprecher der SCNAT, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Resultate aus der Tagung in Bern sollen auch international mit den Wissenschaftsakademien anderer Länder ausgetauscht werden. Zudem gebe es einige Punkte, die sich auch national angehen liessen, so Falk weiter. Als Beispiel nannte er Massnahmen in Bewerbungsverfahren um Fördergelder und Stellen, die zur Beurteilung von Qualität statt Quantität der Publikationen führen sollen.

L Wissenschaftskultur der SAGW
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