Wissenschaftskultur der Geisteswissenschaften

Wissenschaftskultur der Geisteswissenschaften

Die Verschränkung von Wissenschaft und Gesellschaft führt zu höheren Ansprüchen an Relevanz und Rechenschaftslegung in Lehre und Forschung: Erwartet werden ‹employability›, verwertbare Ergebnisse, gesellschaftliche Problemlösungen sowie die Dokumentation und Kontrolle der Leistungen mittels Qualitäts- und Leistungsmerkmale. Als Arbeits-, Organisations- und Finanzierungsform etabliert sich das befristete, im Wettbewerb stehende, auf imaginierte Nutzer ausgerichtete, ergebnisorientierte Projekt. Diesen Anforderungen und Erwartungen kann, reflektiert in einer den Geisteswissenschaften angemessenen Form, entsprochen und damit deren Position im Wissenschaftssystem gestärkt werden.

Ausgehend von einer ersten Standortbestimmung organisierte die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) die dreitägige Veranstaltung «Für eine neue Kultur der Geisteswissenschaften?» (2011). Gestützt auf die Diskussionsergebnisse erarbeitete die Arbeitsgruppe «Wissenschaftskultur der Geisteswissenschaften» das Positionspapier «Für eine Erneuerung der Geisteswissenschaften» (2012), das im Anschluss daran eine breite Vernehmlassung mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion (2013) durchlief. In der Absicht, die Entwicklungen der Förderung der Geisteswissenschaften der letzten Dekade auf einer empirisch gestützen Datengrundlage nachzuzeichnen, wurde im Anschluss der Grundlagenbericht «Förderung der Geisteswissenschaften in der Schweiz im Zeitraum 2002-2012» herausgegeben. Die Empfehlungen zur Förderung der Geisteswissenschaften 2017-2020 stützen sich auf die vom Forschungs- und Beratungsunternehmen econcept durchgeführte Vertiefungsstudie, die mit dem Ziel erstellt wurde, qualitative Wirkungszusammenhänge sowie in der community akzeptierte und zielführende Massnahmen zur Stärkung der Geisteswissenschaften zu identifizieren und erarbeiten.

Neuste Publikation: Gegenstand, Relevanz und Praxis der Geisteswissenschaften. Eine philosophisch-anthropologische Begründung

Von Markus Zürcher, 2016

Spätestens seit der Jahrtausendwende werden Wissenschaft und Wissen als zentrale Produktionsfaktoren erkannt, die massgeblich zu Wertschöpfung, Produktivität, Wirtschaftswachstum und Wohlfahrt beitragen. Gerade in Bezug auf die Geisteswissenschaften entgeht dieser geschaffene Mehrwert jedoch dem oberflächlichen Blick. Mit der vorliegenden Schrift wird der Versuch unternommen, den Gegenstand, die Relevanz und damit den praktischen Nutzen der Geisteswissenschaften systematisch herzuleiten. Dabei zeigt sich, dass die grossen Trends hin zur Individualisierung und Pluralisierung, zur Entmaterialisierung von Produktion und Konsum und zur Ausrichtung der Forschungs- und Gesellschaftspolitik auf die sogenannten «grand challenges» die Bedeutung der Geisteswissenschaften gegenwärtig und zukünftig erhöhen.

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