Newsletter Dezember 2018 – Tour d'Horizon

Tour d'Horizon

Die Bedeutung von sozialen Innovationen
30. November – Basler Universitätsrede von Andrea Schenker-Wick
Das Schlagwort «Innovation» dominiert seit rund einer Dekade die Schweizer Forschungsförderung. Als «innovativ» gilt insbesondere die Entwicklung von neuen Produkten oder Instrumenten auf der Grundlage neuer Technologien. Die Geistes- und Sozialwissenschaften werden dabei rhetorisch und – ganz handfest – auch durch ausbleibende Fördermittel weitgehend ausgeschlossen. Die heurige Universitätsrede am Basler Dies Academicus von Andrea Schenker-Wicki, Ökonomin und Rektorin der Universität Basel, handelte von diesem Befund ausgehend von der Bedeutung von Innovation im universitären Kontext. Alle guten Forschungsuniversitäten, so Schenker-Wicki, hätten heute neben den Aufgaben in Lehre und Forschung eine sogenannte «third mission» zu erfüllen. Diese beinhalte den Wissenstransfer und die Generierung von Innovationen, welche in die Gesellschaft getragen werden müssten.

Die Rede ist als 117. Heft in der Reihe «Basler Universitätsreden» erschienen:
www.unibas.ch/de/Suche.html?query=Universit%C3%A4tsreden

Das Thema Innovation beschäftigt auch die SAGW: Der Schwerpunkt des nächsten Bulletins liegt auf dem Thema «Soziale Innovation». Bereits im letzten Februar erschien in der Reihe Academies Communication die Publikation «Innovation – Anregungen / Impulse aus den Geistes- und Sozialwissenschaften. Ein Werkstattbericht»:
www.sagw.ch/de/sagw/oeffentlichkeitsarbeit/publikationen/publis-schwerpunkte/publis-wiss-tech.html


Neues Online-Nachschlagewerk «Variantengrammatik des Standarddeutschen»
Das Online-Nachschlagewerk «Variantengrammatik» dokumentiert die grammatische Variation im Standarddeutschen. Das Projekt entstand in einer deutsch-schweizerisch-österreichische Kooperation. Als Grundlage diente ein Korpus aus Texten von 68 regional ausgerichteten Tageszeitungen aus den verschiedenen Ländern und Regionen des deutschsprachigen Gebiets. Das Projekt möchte somit auch ein sprachpolitisches Zeichen setzen: Denn alle Varianten des Deutschen stehen hier gleichberechtigt nebeneinander, alle gehören zur deutschen Standardsprache. Über 20 Personen haben seit 2011 an der Grammatik gearbeitet und mehr als 1300 Wörterbucheinträge verfasst. Die Ergebnisse sind nun publiziert und stehen Open Access zur Verfügung

Das Nachschlagewerk und weitere Informationen finden Sie hier:
www.variantengrammatik.net


«Der Wettbewerb unter den Hochschulen verschärft sich»
Artikel von Jörg Krummenacher
01. Dezember – Neue Zürcher Zeitung

Politiker, Dozierende und Exponenten der Wirtschaft kritisieren die Fachhochschulen: Sie würden sich immer mehr von ihrem praxisnahen Profil entfernen und sich den universitären Hochschulen angleichen, was dem Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz widerspreche. Gleichzeitig, so beobachtet Markus Hodel, Rektor der Hochschule Luzern (FHZ), seien die Universitäten anwendungsorientierter geworden. Dies habe zur Folge, dass der Kampf um Forschungsgelder je länger je härter geführt werde.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier:
www.nzz.ch/schweiz/der-wettbewerb-unter-den-hochschulen-verschaerft-sich-ld.1440939


Wie Verlage und Hochschulen Forschungsergebnisse aufblasen
Audio-Beitrag von Cathrin Caprez
15.12. – Wissenschaftsmagazin Radio SRF 2

Physiker des Massachussets Institute for Technology präsentierten unlängst in einer Studie eine universell gültige mathematische Formel dafür, wie sich Kollektive an Kulturgüter (Songs, Publikationen, Filme etc.) erinnern. Der renommierte Nature Verlag präsentierte die Ergebnisse knackig und prominent, und lieferte die Einordnung in einem Erklärvideo gleich mit. Die Wissenschaftsjournalistin Cathrin Caprez bat Geistes- und Sozialwissenschaftler um eine Kontextualisierung dieser spektakulären Ergebnisse. Das Resultat war ernüchternd: Die Studie liefere kaum neue Erkenntnisse und könne aus methodischen Gründen nur sehr begrenzte Gültigkeit beanspruchen. Der Beitrag «Kleines gross machen» wirft somit eine relevante Frage auf: Wie weit dürfen wissenschaftliche Verlage und auch Hochschulen im Vermarkten von Forschungsergebnissen gehen, um ihre Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel zu setzen? Wieweit sollen sich wissenschaftliche Akteure am Spiel der Aufmerksamkeitsökonomie beteiligen?

Den Beitrag finden Sie hier (ab Min. 21):
www.srf.ch/play/radio/wissenschaftsmagazin/audio/was-will-der-patient-neue-richtlinien?id=e84611a5-ec2b-4b2d-9e4f-59c59276fe03&startTime=0.847959&startTime=1235&station=69e8ac16-4327-4af4-b873-fd5cd6e895a7


Zur Debatte über den Lateinunterricht
Die Debatte über den Lateinunterricht in der Schweiz wird in periodischen Abständen immer wieder neu aufs Tapet gebracht. Kürzlich flammte die Debatte im Kanton Zürich wieder auf. Eine im Tages-Anzeiger publizierte Studie zeigte, dass das Interesse an Latein stark nachgelassen hat. Als Mitgrund dafür gilt die Konkurrenz durch Informatik- und Technologiefächer, die als alltagsrelevanter gelten als die Sprache Vergils. Die Argumente für und gegen Latein als Pflichtstoff an Gymnasien sind weitgehend bekannt. Die Gegner sagen, Latein sei tot und eine pure Bildungsgewohnheit. Die Befürworter sagen, Latein wirke in unserem Denken, im Allgemeinsprachlichen und im Kulturellen fort und vermittle grundsätzliche Sprachkompetenzen.

Hier eine Auswahl von neueren Artikeln zum Thema:

«Latein wird überleben (wenn die Politik mitspielt)»
Artikel von Zeno Zoccatelli
09. Dezember 2018 – swissinfo.ch
Link zum Artikel: www.swissinfo.ch/ger/kultur/schweizer-schulwesen_latein-wird-ueberleben--wenn-die-politik-mitspielt-/44594076

«Warum wir auf den Lateinunterricht nicht verzichten sollten»
Gastkommentar von Theo Wirth
04. Dezember – Neue Zürcher Zeitung
Link zum Artikel: www.nzz.ch/meinung/warum-wir-auf-den-lateinunterricht-nicht-verzichten-sollten-ld.1434191

«Latein als Pflichtfach ist überholt»
Kommentar von Iwan Städler
02. Oktober – Tages Anzeiger
Link zum Artikel: www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/latein-als-pflichtfach-ist-ueberholt/story/16697482

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