Iran and the World: Societal Change, Self-Images and Worldviews in Iran since 1953, 13./14. November 2009, Universität Basel
Das internationale Kolloquium fand im November in Basel statt. Es wurde zusammen mit dem Orientalischen Seminar und dem Institut für Soziologie organisiert und mit Unterstützung der SAGW, FAG Basel, Erdölvereinigung Zürich und Pierre F. Haesler durchgeführt. Zum Rahmen der Tagung gehörte auch die Fotoausstellung Umbildung im Bild, die vom 13. November bis zum 14.Dezember im Kollegienhaus der Universität Basel zu sehen war. Kuratiert von Elika Palenzona-Djalili, dokumentierte sie in verschiedenen Bildsprachen wichtige Momente des gesellschaftlichen Wandels in Iran seit 1953.
Bahman Nirumand gab in seinem Eröffnungsvortrag am Freitag abend einen eindrücklichen Überblick über die dialektische Beziehung zwischen Politik und Gesellschaft in Iran seit der Konstitutionellen Revolution von 1906.
Am Samstag folgten vier Panels in englischer Sprache. Zwei Referierende fielen krankheitsbedingt aus. Im Panel „Ideas and Social Change“ zeigte Amir Sheikhzadegan, wie sich der politische Diskurs in Iran seit der Machtübernahme der Pahlavi-Dynastie 1925 unter der Einwirkung von endogenen wie auch exogenen Faktoren gewandelt hat. Behrooz Ghamari-Tabrizi fokussierte auf die Dialektik zwischen theologischer Hermeneutik und gesellschaftlichem Wandel und zeigte auf, wie das islamistische Regime paradoxerweise zur Säkularisierung der iranischen Gesellschaft beiträgt.
Im Panel „Transfer of Ideas and the Generational Gap“ sprach Parviz Piran über Teilergebnisse seiner Jugendforschung, die er in Zusammenarbeit mit der SAD in Teheran und einigen Grossstädten durchgeführt hatte. Er betonte, wie stark die iranische Jugend beim Übergang ins Erwachsenenalter mit beispielslosen Normenkonflikten zwischen einer islamistischen Ideologie und einer raschen Modernisierung der iranischen Gesellschaft zu kämpfen hat.
Im Panel „Changing Images of Manhood and Womanhood“ verwies Tobias Nünlist auf den Schriftsteller Djûlâ’î, der die Schauplätze der Mashruteh-Revolution von 1906 als Projektionsfläche für Kommentare zu neueren politischen Entwicklungen nutzt. Roja Fazaeli untersuchte Weblogs in Iran, die aufgrund ihrer grossen Ausbreitung als “Weblogistan” bezeichnet werden. Ihr Fokus galt den Narrativen iranischer Feministinnen über ihre Erfahrungen in Gefängnissen. Fazaeli konnte ihre Analyse mit eigenen Erfahrungen untermauern, da auch sie aus ähnlichen Gründen kurz in Untersuchungshaft sitzen musste.
Im vierten Panel, „Art and Society“, referierte Katja Föllmer über den gesellschaftlichen Wandel im Spiegel des iranischen Kinos. Vanessa Langers Dokumentarfilm "Teheran: 11pm" ist eines der 26 Selbstportraits junger iranischer Künstler, welche Langer im Rahmen ihrer Masterarbeit drehen liess. Eindrücklich zeigt der Kurzfilm den Mikrokosmos einer jungen Iranerin fernab der restriktiven Öffentlichkeit des islamistischen Regimes.
Die Mischung der Referierenden (Alter, Geschlecht, Interdisziplinarität und Internationalität), die Brisanz und die Aktualität des Themas, die Kombination von Keynote Lecture, Fotoausstellung und Tagung trugen zu einer erfolgreichen Veranstaltung mit vollen Hörsälen bei.














